Die neue Rechtschreibung



Neue Rechtschreibregeln 2017

Die amtlichen Orthografie-Regeln ändern sich schon wieder. Droht ein neues Reform-Desaster? Im Gegenteil: Einige Horror-Schreibungen verschwinden sogar ganz. Nur beim Eszett kommt etwas gewaltig Neues.

Deutsche und Deutsch schreibende Menschen in aller Welt müssen wieder einmal bei der Orthografie umlernen. Denn im „Amtlichen Regelwerk der deutschen Rechtschreibung“ ändert sich ab sofort einiges. Änderungen, die der Rat für deutsche Rechtschreibung in seinem letzten Bericht über Debatten der Jahre 2011 bis 2016 mitgeteilt hatte, sind von den zuständigen staatlichen Stellen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, dem Fürstentum Liechtenstein, der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens bestätigt und damit wirksam geworden.
 

Künftig gibt es Eszett als Großbuchstaben

Wie der Rechtschreibrat am Donnerstag (29.06.2017) mitteilte, lassen die neuen Regeln beispielsweise die Verwendung des Großbuchstabens ẞ neben SS zu. Das ist insbesondere für die korrekte Schreibung von Eigennamen in Pässen und Ausweisen wichtig. Darüber hinaus dürfen Adjektive in Fällen wie „die Goldene Hochzeit“ und (alles Gute) „im Neuen Jahr“ großgeschrieben werden. Darüber hinaus sind einzelne Wortschreibungen an den beobachteten Schreibgebrauch angepasst worden.

„Das amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung“ wird seit seiner Inkraftsetzung im Jahre 2006 zum zweiten Mal aktualisiert und behutsam modernisiert. Wie der Rechtschreibrat mitteilt, nehmen die Änderungen Entwicklungen aus dem beobachteten Sprachgebrauch auf. Darüber hinaus, so der Rat in seiner Mitteilung, schüfen die neuen Regeln mit der Zulassung des Großbuchstabens ẞ eine Wahlmöglichkeit, neben der die Schreibung mit SS für Eszett bei der Schreibung in Großbuchstaben erhalten bleibt.


Die Änderungen orientieren sich am Gebrauch

Der beobachtete Gebrauch spielt bei der künftigen Schreibung von festen Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv in Regeln eine Rolle. Die umformulierten Regeln machen deutlich, wann in diesen Fällen klein- bzw. großgeschrieben wird und wann beide Schreibungen zulässig sind. So bleibe bei wörtlichem bzw. bildhaftem Gebrauch wie in „der freie Mitarbeiter“ und „die gläserne Decke“ die Kleinschreibung der Regelfall. Bei besonderen Anredeformen wie der Heilige Vater gilt die Großschreibung. Fälle mit schwankendem Gebrauch wie z. B. „die mittlere/Mittlere Reife“, „die goldene/Goldene Hochzeit“ oder auch „der technische/Technische Direktor“ werden neu grundsätzlich in beiden Schreibungen angesetzt. Des Weiteren hat der Rat das amtliche Wörterverzeichnis angepasst. Insbesondere hat er in die Vorbemerkungen den Hinweis auf die in Ländern mit mehreren Amtssprachen gängige Praxis aufgenommen, nach der die originäre Schreibung bei Amtssprachen grundsätzlich zulässig ist. Darüber hinaus wurden einzelne Eintragungen geändert. Dazu hat der Rat den Schreibgebrauch erhoben und die Ergebnisse daraufhin geprüft, ob sie den Regularitäten der deutschen Rechtschreibung entsprechen.
 

Aus für „Majonäse“, „Wandalismus“ und „Anschovis“

Davon betroffen ist in erster Linie die Fremdwortschreibung. Variantenschreibungen wie „Anschovis“, „Frotté“, „Komplice“, „Majonäse“, „Wandalismus“ oder „Ketschup“, die zum Teil schon seit Jahrzehnten in den Wörterbüchern standen, werden nicht mehr fortgeschrieben, sondern entfallen. Dafür greift das Wörterverzeichnis neu z. B. die Bindestrichschreibung in Fällen wie „Ex-Regierungschef“ und „Co-Trainer“ auf. In manchen Fällen wurden erkennbare Tendenzen nicht aufgenommen. Ein Beispiel hierfür: Die häufig zu beobachtende Schreibung „(sei) herzlich Willkommen“ bleibt irregulär. Denn „willkommen“ ist in dieser Verwendung adjektivisch. Die Großschreibung bleibt aber weiterhin auf die substantivische Verwendung wie in „ein herzliches Willkommen“ beschränkt.

Eine vollständige Auflistung der geänderten Wortschreibungen ist im dritten Bericht des Rats enthalten. Er ist ebenso wie das aktualisierte amtliche Regelwerk auf der Ratswebsite http://www.rechtschreibrat.com einzusehen.

Quelle: WELT
 

Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung 2006

Regeln und
Wörterverzeichnis

Überarbeitete Fassung des amtlichen Regelwerks 2004

München und Mannheim – Februar 2006


Die hier vorgelegte Ausarbeitung des Regelwerks zur deutschen Rechtschreibung geht von der Darstellung und Struktur aus, die im Regelwerk 2004 vorgegeben waren. Es enthält daher einen Regelteil und ein Wörterverzeichnis.

In den Regelteil sind die Änderungsvorschläge des Rats an entsprechender Stelle eingearbeitet. Das betrifft in Sonderheit die Paragrafen 33 E, 34, 36(2), 37 E4 (Getrennt- und Zusammenschreibung), 56, 58(3.1), 58 E2, 63 E, 64 E, 66 (Groß- und Kleinschreibung), 73, 75 (Zeichensetzung) und 107 E (Worttrennung am Zeilenende). Darüber hinaus sind die Stellen modifiziert, an denen sich als Konsequenz dieser Vorschläge Änderungen ergeben haben. Das betrifft vor allem die Anpassung von Beispielen.

Das Wörterverzeichnis wurde ebenfalls an die vorgenommenen Änderungen angepasst, möglicherweise kritische Fälle wurden gemeinsam mit den im Rat vertretenen Wörterbuchverlagen überprüft und sind nun im Wörterverzeichnis umfänglich dokumentiert. Das Wörterverzeichnis enthält nunmehr auch alle Beispielfälle, die im Regelteil eine Rolle spielen.

In dem gemeinsam mit diesen Texten vorgelegten Teil 2 der Empfehlungen werden die Einzelvorschläge herausgelöst aus dem Gesamtkontext dargestellt und erläutert.