Ausbildungsordnung ab 01.08.1999


Nachfolgende Ausführungen sind der Informationsschrift Berufsausbildung in der Bauwirtschaft entnommen. Sie erhalten diese Schrift beim Bundesinstitut für Berufsbildung, Hermann-Ehlers-Str. 10, 53113 Bonn, Tel.: (0228) - 107-0.


Stufung der Ausbildung in Industrie und Handwerk

Die Ausbildungsverordnung erstreckt sich auf insgesamt 18 Bauberufe (vgl. hierzu die Übersicht 1). Dreizehn Bauberufe gelten für die Bereiche Industrie und Handwerk. Im Bereich der Industrie sind darüber hinaus weitere fünf Bauberufe anerkannt.

Der Abschluss auf der zweiten Stufe wird nach insgesamt drei Jahren Berufsausbildung erreicht. Die zweite Stufe erstreckt sich auf zehn Bauberufe in den Bereichen Industrie und Handwerk sowie auf weitere fünf Bauberufe im Bereich der Industrie. Die in Industrie und Handwerk einander entsprechenden Bauberufe haben gleiche Berufsbezeichnungen. Für sie gelten gleiche Ausbildungsinhalte und gleiche Prüfungsanforderungen.

Die erste Stufe schließt nach zwei Jahren Berufsausbildung mit den Berufen Hochbaufacharbeiter, Ausbaufacharbeiter oder Tiefbaufacharbeiter ab. Diese Regelung gilt für Industrie und Handwerk. Sie galt bisher nur für den Bereich der Industrie.

Ausbildungsprofil

Für jeden Bauberuf wurde ein Ausbildungsprofil erarbeitet. Es enthält die wesentli­chen Strukturmerkmale der Ausbildung und beschreibt übersichtlich und in knappen Worten die unterschiedlichen Arbeitsgebiete, für die sich Gesellen und Facharbeiter in der Bauwirtschaft aufgrund ihrer Ausbildung qualifiziert haben, und ihre beruflichen Qualifikationen. Die Ausbildungsprofile werden in die Sprachen Englisch und Franzö­sisch übersetzt und zusammen mit der Ausbildungsordnung und dem Rahmenlehrplan für den Berufsschulunterricht im Bundesanzeiger veröffentlicht. Sie sollen dem Facharbeiter- oder Gesellenbrief als Anlage beigefügt werden.

Berufsausbildung in überbetrieblichen Ausbildungsstätten

Die Zeiten der Ausbildung in überbetrieblichen Ausbildungsstätten sind als Margen wie folgt geregelt:

• im 1. Ausbildungsjahr zwischen 17 und 20 Wochen
• im 2. Ausbildungsjahr zwischen 11 und 13 Wochen und
• im 3. Ausbildungsjahr 4 Wochen.

Die Entscheidung über die Dauer der überbetrieblichen Ausbildung im 1. und 2. Ausbildungsjahr trifft im Rahmen der Marge die zuständige Stelle (Handwerkskammer oder Industrie- und Handelskammer). Sie ist dem Ausbildungsvertrag zugrunde zu legen und gilt für die gesamte Ausbildungszeit. Hat die zuständige Stelle keine Regelung getroffen, legt der Ausbildende (Ausbildungsbetrieb) die Dauer der überbetrieblichen Ausbildung fest.

Berufliche Grundbildung

Die berufliche Grundbildung wurde neu strukturiert und in die Bereiche Hochbau, Ausbau und Tiefbau unterteilt. Die für alle Bauberufe gleich lautenden Lernziele umfassen einen Zeitraum von 26 Wochen. Die fachübergreifenden Lernziele können im Zusammenhang mit den fachbezogenen Lernzielen in den Bereichen Hochbau, Ausbau und Tiefbau vermittelt werden. Für den Zeitraum von 18 Wochen enthält die berufliche Grundbildung unterschiedliche Ausbildungsinhalte in den Bereichen Hochbau, Ausbau oder Tiefbau. In weiteren acht Wochen sollen die Ausbildungsinhalte im Betrieb unter Berücksichtigung betriebsbedingter Schwerpunkte sowie des individuellen Lernfortschritts vertieft vermittelt werden.

Berufliche Fachbildung

Die Ausbildungsinhalte der beruflichen Fachbildung wurden den heutigen Anforderungen in der Bauwirtschaft angepasst. Sie sind als Lernziele beschrieben. Lernziele orientieren sich an beruflichen Aufgabenstellungen. Neue Ausbildungsinhalte beziehen sich vor allem auf die Verwendung neuer Bau- und Bauhilfsstoffe sowie auf den Einsatz von Geräten und Maschinen. Zusätzlich enthält die berufliche Fachbildung für alle Berufe auf der zweiten Stufe Ausbildungsinhalte, die sich auf Arbeiten im Bereich des Sanierens und Instandsetzens beziehen. Einen besonderen Stellenwert haben die fachübergreifenden Inhalte zur Arbeits- und Ablaufplanung auf der Baustelle, zur Durchführung qualitätssichernder Maßnahmen, zur Sicherheit und zum Gesundheitsschutz bei der Arbeit und zum Umweltschutz.

Praktische Prüfung

Sie wird in Form einer „praktischen Aufgabe" durchgeführt. Die „praktische Aufgabe" ermöglicht dem Prüfungsausschuss einen größeren Spielraum bei der Durchführung der Prüfung. Bei der bisher verwendeten Arbeitsprobe ist nicht nur das End­ergebnis, sondern der gesamte Arbeitsablauf Gegenstand der Bewertung. Beim Prü­fungsstück wird dagegen nur das Endergebnis bewertet. Mit der in der neuen Ausbildungsordnung geregelten „praktischen Aufgabe" kann die praktische Prüfung zur Erfassung der Handlungskompetenz künftig als Arbeitsprobe oder als „Mischung" aus Arbeitsprobe und Prüfungsstück durchgeführt werden. Eine Mischung aus Arbeitsprobe und Prüfungsstück kann den Prüfungsaufwand reduzieren und die Flexibilität der Durchführung der praktischen Prüfung erhöhen, da in diesem Fall lediglich einzelne Phasen als Arbeitsprobe bewertet werden.

Schriftliche Prüfung

Sie findet jeweils in zwei fachbezogenen Prüfungsbereichen und im Prüfungsbereich Wirtschafts- und Sozialkunde statt. Die fachbezogenen Prüfungsbereiche beziehen sich auf abgegrenzte Arbeitsgebiete. In Prüfungsbereichen lassen sich komplexe, umfassende Aufgaben stellen. Der Praxisbezug in der schriftlichen Prüfung wird dadurch stärker betont.

Rahmenlehrplan für den Berufsschulunterricht

Er wurde in Anlehnung an die Erfordernisse der betrieblichen Ausbildung ebenfalls überarbeitet. Der Rahmenlehrplan ist nach Lernfeldern strukturiert und nicht mehr nach den traditionellen Schulfächern. Dadurch soll sich der Unterricht in der Berufsschule mehr an ganzheitlichen Aufgabenstellungen orientieren, die die Praxis auf der Baustelle widerspiegeln (handlungsorientierter Unterricht).

Schulisches Berufsgrundbildungsjahr

Der Rahmenlehrplan für das schulische Berufsgrundbildungsjahr gliedert sich in Fachpraxis und Fachtheorie. Der Rahmenlehrplan Fachpraxis ist ebenfalls wie die berufliche Grundbildung in die drei Bereiche Hochbau, Ausbau und Tiefbau unterteilt. Über den Zeitraum von 26 Wochen gelten gleiche Lernfelder und gleiche Inhalte, in den weiteren 26 Wochen unterschiedliche Lernfelder und Inhalte in den Bereichen. In der Fachtheorie gelten im Rahmenlehrplan für alle Bauberufe einheitliche Lernfelder und Inhalte.

Das schulische Berufsgrundbildungsjahr im Berufsfeld Bautechnik wird flächendeckend in Niedersachsen durchgeführt. In allen anderen Bundesländern gilt überwiegend die kooperativ durchgeführte berufliche Grundbildung (Ausbildungsbetrieb und Berufsschule).


In nachfolgender Übersicht sind die wichtigsten Aspekte der Verordnung über die Berufsausbildung in der Bauwirtschaft im Ausbildungsberuf "Fliesen-, Platten- u. Mosaikleger" aufgeführt:

Verordnung über die Berufsausbildung in der Bauwirtschaft
im Ausbildungsberuf „Fliesen-, Platten- u. Mosaikleger“

Hinweis:

Für Auszubildende mit einem dreijährigen Ausbildungsvertrag findet die Zwischenprüfung am Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt. Die Prüfungsanforderungen dieser Zwischenprüfung entsprechen denen der Abschlussprüfung der ersten Stufe.

 
1.  Zwischenprüfung

Die Regelungen für die Zwischenprüfung der „Fliesen-, Platten-, u. Mosaikleger“ entsprechen denen der Abschlussprüfung für die Ausbaufacharbeiter(innen).

a) Praktische Prüfung

Der Prüfling soll im praktischen Teil der Prüfung in insgesamt höchstens 8 Stunden eine praktische Aufgabe ausführen. Für die praktische Prüfung kommen insbesondere für den Schwerpunkt „Fliesen-, Platten- u. Mosaikarbeiten“ in Betracht

b) Schriftliche Prüfung

Der Prüfling soll im schriftlichen Teil der Prüfung in den Prüfungsbereichen Schwerpunktbezogene Aufgaben, Bauwerke im Ausbau sowie Wirtschafts- u. Sozialkunde geprüft werden. Folgende Aufgaben kommen insbesondere in Betracht:

Im Prüfungsbereich Schwerpunktbezogene Aufgaben
(Arbeitszeit höchstens 100 Minuten)

Im Prüfungsbereich Bauwerke im Ausbau
(Arbeitszeit höchstens 100 Minuten)

Im Prüfungsbereich Wirtschafts- u. Sozialkunde
(Arbeitszeit höchstens 40 Minuten)

Innerhalb des schriftlichen Teils sind die Prüfungsbereiche wie folgt zu gewichten:

  • Prüfungsbereich Schwerpunktbezogene Aufgaben

  • Prüfungsbereich Bauwerke im Ausbau 

  • Prüfungsbereich Wirtschafts- u. Sozialkunde

40 %
40 %
20 %

2.  Gesellenprüfung

a) Praktische Prüfung

Der Prüfling soll im praktischen Teil der Prüfung in insgesamt höchstens 10 Stunden eine praktische Aufgabe ausführen. Für die praktische Prüfung kommen insbesondere in Betracht

b) Schriftliche Prüfung

Der Prüfling soll im schriftlichen Teil der Prüfung in den Prüfungsbereichen Wandbeläge, Bodenbeläge sowie Wirtschafts- u. Sozialkunde geprüft werden. Folgende Aufgaben kommen insbesondere in Betracht:

Im Prüfungsbereich Wandbeläge
(Arbeitszeit höchstens 150 Minuten)

Im Prüfungsbereich Bodenbeläge
(Arbeitszeit höchstens 150 Minuten)

Im Prüfungsbereich Wirtschafts- u. Sozialkunde
(Arbeitszeit höchstens 60 Minuten)

Innerhalb des schriftlichen Teils sind die Prüfungsbereiche wie folgt zu gewichten:

  • Prüfungsbereich Wandbeläge 

  • Prüfungsbereich Bodenbeläge 

  • Prüfungsbereich Wirtschafts- u. Sozialkunde 

40 %
40 %
20 %

Der schriftliche Teil der Prüfung ist auf Antrag des Prüflings oder nach Ermessen des Prüfungsausschusses in einzelnen Bereichen durch eine mündliche Prüfung zu ergänzen, wenn diese für das Bestehen der Prüfung den Ausschlag geben kann. Ansonsten sind mündliche Prüfungen nicht vorgesehen. Bei der Ermittlung des Ergebnisses für die mündlich geprüften Prüfungsbereiche sind das bisherige Ergebnis und das Ergebnis der mündlichen Ergänzungsprüfung im Verhältnis 2:1 zu gewichten.

Die Prüfung ist unter folgender Voraussetzung bestanden:

1. Ausreichende Leistungen im praktischen Teil der Prüfung
2. Ausreichende Leistungen im schriftlichen Teil der Prüfung
    (also Mindestpunktzahl von 50 % erforderlich!)
3. Ausreichende Leistung in mindestens zwei der Prüfungsbereiche
4. Keine ungenügende Leistung in einem der drei Prüfungsbereiche

Hat der Prüfling die Prüfung nicht bestanden, so ist zu untersuchen, ob er die Anforderungen zum Abschluss Ausbaufacharbeiter(in) erfüllt. Sie sind dann erfüllt, wenn in der Gesellenprüfung im praktischen Teil sowie in einem der fachbezogenen Prüfungsbereiche im schriftlichen Teil jeweils mindestens eine ausreichende Leistung erbracht wurde. Außerdem darf in keinem der fachbezogenen Prüfungsbereiche eine ungenügende Leistung erbracht worden sein.

Traditionell wird im praktischen Teil der Prüfung zwischen „Prüfungsstück" und „Arbeitsprobe" unterschieden. Der Unterschied zwischen beiden Prüfungsformen besteht darin, dass beim Prüfungsstück lediglich das Endergebnis beurteilt wird, während bei der Arbeitsprobe zusätzlich auch die Vorgehensweise und gegebenenfalls Zwischenergebnisse in die Beurteilung eingehen. Um eine einseitige Bewertung der Vorgehensweise während der Arbeitsprobe auszuschließen, sollte sie durch alle Mitglieder des Prüfungsausschusses erfolgen. Aus diesem Grunde ist bei der Arbeits­probe ihre ständige Anwesenheit erforderlich.

Eine „praktische Aufgabe" hingegen kann grundsätzlich als Arbeitsprobe oder als Mischung aus Arbeitsprobe und Prüfungsstück durchgeführt werden. Zu beachten ist, dass nach der neuen Ausbildungsverordnung in der Gesellen­- oder Abschlussprüfung der Nachweis der Handlungskompetenz auch durch eine Bewertung der fachübergreifenden Qualifikationen zu erbringen ist. Diese Forderung muss in der „praktischen Aufgabe" zum Ausdruck kommen.